Reich an Pausen (ohne schlechtes Gewissen).

Inner Success by Chrissi Münch

Reich an Pausen
(ohne schlechtes Gewissen)

Ausgabe 136 | 12. Okt 2026

Hallo Reader,

letzte Woche erzählte mir eine Coachee, wie schwer ihr es fällt einfach mal nichts zu tun. Das kann ich absolut nachvollziehen, denn ich habe jahrelang das gleiche gesagt. Doch wenn wir reinzoomen, ist die Formulierung bereits schwierig.

Meinen wir damit wirklich, dass wir einfach dasitzen und nichts tun? In der Regel nicht.

Wir würden gerne entspannen, nicht arbeiten, runterkommen. Wie genau das aussieht, dürfen wir uns im nächsten Schritt genauer überlegen.

Heute weiß ich, dass mein 'Nichts tun' wie folgt aussieht: Spazieren gehen, Podcast hören, Roman lesen, Journalen, Yoga machen, Shoppen gehen, Kreuzworträtsel machen, Backen.

Hinter dem Nichts tun meiner Coachee versteckte sich der Wunsch, auf dem Sofa zu liegen und einen Roman zu lesen oder im Garten die Blumen zu gießen. Doch das Problem ist ihr schlechtes Gewissen. Die Gedanken wandern direkt zur To-do-Liste und ihre Hand greift fast schon automatisch zum Smartphone, um nochmal schnell die E-Mails zu checken.

Wer kennt das nicht?!

Doch warum fällt es uns eigentlich so schwer, das Leben zu genießen und zu entspannen?

Warum haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir entspannen?

Jede von uns erzählt sich eine leicht abgeänderte Story darüber, warum Pausen zwar prinzipiell sinnvoll sind (soviel haben wir kognitiv bereits verstanden), aber jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt dafür.

Weil noch etwas auf deiner To Do Liste steht - als ob die jemals leer sein würde...

Weil du heute noch nicht genug erledigt hast - weil's im Leben ja nur darum geht, möglichst viel zu schaffen...

Weil gerade in diesen Moment etwas ganz wichtiges auf LinkedIn geteilt wird, dass du nicht verpassen solltest - weil der Content auf unserem Feed regelmäßig lebensverändernd ist...

Oder weil eine andere Frau gerade in diesem Moment hart daran arbeitet in einem ihrer Lebensbereiche perfekt zu sein, als Mutter, in der Karriere oder bei der Organisation ihrer Küchenschränke - und das könntest du schließlich auch in der Zeit machen statt hier faul auf dem Sofa rumzuliegen und einen Fantasy Roman zu lesen..

Und solange wir uns eine oder mehrere dieser Stories erzählen, wird es sich immer etwas falsch anfühlen, auf dem Sofa zu liegen und 'nichts zu tun'.

Wie kommen wir da raus?

Ich könnte dir jetzt Studien aufzählen, die zeigen, wie wichtig Pausen für unsere Produktivität und Kreativität sind. Oder dir von Alex Soojung-Kim Pangs Buch Rest erzählen, in dem er beschreibt, wie viele der kreativsten Menschen der Geschichte nur wenige Stunden am Tag hoch konzentriert gearbeitet haben.

Doch all das weißt du ja bereits. Dein Kopf hat's verstanden, doch weder dein Körper noch deine innere Kritikerin glauben ihm. Deswegen brauchen wir mehr als nur eine Erklärung, Zahlen und Fakten.

Wir brauchen ein Nervensystem, ein inneres Narrativ und die eigens gemachte Erfahrung, die uns zeigt: Entspannung ist sicher.

Schritt 1. Bring dein Nervensystem runter

Wenn du den ganzen Tag im Go-Modus bist, wechselt dein Körper nicht sofort in den Entspannungsmodus, nur weil du dich jetzt auf's Sofa gesetzt hast.

Während du unter Stress stehst, schüttet dein Körper Cortisol und Adrenalin aus, die dich wach und leistungsfähig halten. Gleichzeitig schüttet dein Gehirn Dopamin aus, wenn du etwas erledigt hast. Durch diesen Cocktail sind wir auf der einen Seite weiterhin 'wired', auf der anderen Seite bekommen wir den Impuls, doch noch schnell eine E-Mail zu beantworten oder ein To-Do abzuhaken, um dafür belohnt zu werden.

Um die Zeit für Entspannung einzuleiten, musst du deinem Körper also zunächst dabei helfen, aus diesem Zustand herauszukommen.

Mach dir einen warmen Tee, nimm die Tasse in beide Hände und atme 5x langsam ein und noch etwas länger aus. Das unterstützt die Aktivierung deines parasympathischen Nervensystems, das für Ruhe und Erholung zuständig ist.

2. Erzähl dir eine neue Story

Solange in deinem Kopf die Geschichte abläuft, dass Entspannung etwas für faule oder wenig ambitionierte Menschen sind, wirst du deinen Roman nicht genießen können.

Hier lohnt es sich, tiefer hinzuschauen:

Was bedeutet es für dich, wenn du nichts tust? Dass du faul bist? Nicht ambitioniert genug? Dass andere dich überholen? Wovor hast du im Kern Angst?

Um dein Verhalten langfristig zu verändern, brauchst du ein neues inneres Narrativ, das zu der Frau passt, die du sein möchtest.

Definiere dafür, wofür Entspannung in deinem Leben stehen soll. Etwas, das einen echten Wert für dich hat.

Zum Beispiel:

  • Durch Pausen werde ich kreativer und treffe bessere Entscheidungen.
  • Wenn ich mir Erholung erlaube, bin ich eine geduldigere Mama und Partnerin.
  • Pausen sind meine Zeit, um Spaß und Genuss in mein Leben zu lassen.
Wir versuchen uns immer kongruent zu unserer Identität zu verhalten. Deshalb ist es so wichtig, dass diese neue Version von dir, die Entspannung zulassen kann, eine positive Beziehung zu Aktivitäten hat, bei denen du deinen Akku auflädst.

3. Schließe den Learning Loop

Um deine alte Überzeugung wirklich loszulassen und dich beim Entspannen auch wirklich entspannt zu fühlen, brauchst du neue Erfahrungen, die dir zeigen, dass diese neue Geschichte stimmt.

Beobachte deshalb nach einer Pause ganz bewusst, wie du dich fühlst. Direkt danach und am nächsten Tag.

Bist du gelassener?
Hast du mehr Energie?
Fallen dir Lösungen leichter?
Oder hattest du einfach eine richtig schöne Zeit?

Nimm diese Erfahrungen bewusst wahr. So sammelst du Schritt für Schritt Beweise für deine neue Überzeugung und überschreibst die alte.

Wer sagt eigentlich, dass Erfolg anstrengend sein muss?

Unsere Arbeitswelt ist von männlich geprägt und wir haben viele der dort vorherrschenden Regeln übernommen.

Arbeit muss hart sein.
Nur die Harten kommen in den Garten.
Ich kann schlafen, wenn ich tot bin.

Während mein Mann es liebt, wenn es so richtig anstrengend wird - wenn er wortwörtlich bei einem Spartan Race mit einem Baumstamm auf dem Rücken durch den Matsch läuft oder er sich bei der Arbeit wochenlang verbissen einem unmöglichen Problem widmet - treibt mich das weniger an.

Ich kann das zwar. Mich durchbeißen. Noch eine Nachtschicht einlegen. Noch mehr Druck machen. Und jahrelang dachte ich auch, genau das müsste ich tun, um erfolgreich zu sein.

Doch was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, ist wie ich mit Leichtigkeit 'performe'. Die Ergebnisse sind fast beängstigend, weil sie mein bisheriges Leistungsmodell auf den Kopf gestellt habe. Ich habe bessere Ideen, sehe Dinge klarer, finde Lösungen, die mir unter Stress nie eingefallen wären und habe plötzlich Ergebnisse erzielt, die sich gar nicht wie Arbeit angefühlt haben.

Deswegen bin ich überzeugt, dass - vor allem wir Frauen - ein neues Erfolgsmodell brauchen. Eines, indem wir entsprechend unserer weiblichen Energie aus Freude, Leichtigkeit und Erholung kreieren und das mindestens genauso wertvoll ist wie Ambition und Disziplin.

Und noch ein letzter Gedanke …

Bei all dem sollten wir nicht in die nächste Falle tappen und anfangen, unsere Entspannung ebenfalls zu optimieren. Dass wir nur noch spazieren gehen, weil das unsere Kreativität steigert. Oder einen Roman lesen, weil wir danach produktiver sind.

Denn dann machen wir unseren Wert weiterhin davon abhängig, was wir leisten.

Nicht jede Minute deines Lebens muss produktiv sein. Nicht jede Stunde braucht ein konkretes Ergebnis.

Einige der schönsten Gefühle im Leben entstehen durch vermeintlich ineffizient genutzte Zeit.

Lange Spaziergänge. Stundenlange Gespräche. Zeit mit Menschen, die du liebst.

Du darfst diese Momente genießen. Nicht, weil du sie dir verdient hast, sondern weil sie Teil eines erfüllten Lebens sind.

Was hilft dir gegen das schlechte Gewissen, wenn du dir eine Pause nimmst?

Antworte mir auf diese Mail. Ich lese jede Nachricht.

Auf ein Leben, das sich so gut anfühlt, wie es aussieht!
Deine Chrissi 💖
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