Hallo Reader,
neulich sagte eine Coachee zu mir:
„Wenn ich eine Pause mache, bricht alles zusammen.“
Sie meinte bei der Arbeit. Zu Hause. In ihrem Leben.
Mal ehrlich, kennst du dieses Gefühl?
Dass wenn du ausfällst, alles auf Hold wäre.
Oder schlimmer: komplett aus dem Ruder läuft.
Das Projekt fährt gegen die Wand.
Zu Hause herrscht Chaos.
Niemand weiß weiter.
Vielleicht nickst du gerade und denkst:
„Ja Chrissi. Genau so fühlt es sich an, wenn ich auf meine To Do Liste schaue.“
Wenn ich eine Pause nehme, bricht alles zusammen.
Wenn du diesen Satz mit etwas Abstand liest, weißt du natürlich, dass er objektiv nicht stimmt.
Dein Leben wird nicht kollabieren, nur weil du mal eine Pause machst. Aber mitten im Alltag fühlt es sich oft genau so an.
Ich erinnere mich an mehr als eine Session mit meiner Business-Coach, in der ich sagte:
„Ich weiß, ich bräuchte gerade eine Pause. Aber meine Liste ist so voll, das geht einfach nicht.“
Kognitiv war mir klar:
Die Welt geht nicht unter, wenn ich mal nicht jeden Dienstag und Donnerstag auf LinkedIn poste. Oder einen Termin verschiebe, der nicht Top-Priorität hat.
Aber emotional fühlte es sich anders an.
Unersetzlich zu sein klingt nach Stärke.
Viele Frauen, die äußerlich stark und unabhängig wirken (wollen), kennen das Gefühl, sich unersetzlich zu fühlen - inklusive mir.
Ich erinnere mich noch gut an die detaillierte Übergabe, die ich meinem Mann schrieb als ich das erste Mal nach der Geburt unseres Sohnes für 3 Tage weggefahren bin.
In Wahrheit ist es jedoch keine Stärke, sondern eine Sicherheitsstrategie.
Solange ich glaube, dass ohne mich alles zusammenbricht, muss ich nie wirklich loslassen. Nie wirklich abgeben. Nie wirklich vertrauen.
Und das macht uns unfrei.
Denn unersetzlich zu sein bedeutet:
Ich bin abhängig von meiner eigenen Dauer-Performance.
Klingt paradox, oder?
Wir glauben, Unersetzlichkeit macht unabhängig.
In Wahrheit hält sie uns gefangen.
Dein Gehirn braucht Beweise – nicht nur neue Gedanken.
In meinem ersten Job war ich als Projektmanagerin für den Launch eines wichtigen Kundenprojekts verantwortlich.
Hohe Sichtbarkeit. Viel Verantwortung. Enger Zeitplan.
Und dann wurde ich krank.
So krank, dass nichts ging.
Kein Laptop.
Keine Übergabe.
Keine Erreichbarkeit.
Ich lag im Bett und dachte:
„Das war’s. Das Projekt fährt gegen die Wand.“
Als ich eine Woche später zurückkam, war ich überrascht.
Das Projekt lief. Sogar erstaunlich gut.
Die Kundin war happy.
Das Team hatte Lösungen gefunden.
Kein Drama. Kein Chaos.
In mir kamen gemischte Gefühle auf. Auf der einen Seite war ich erleichtert, das alles so gut lief. Auf der anderen Seite spürte ich Verunsicherung, weil ich mich fragte, ob ich überhaupt gebraucht werde.
In einem offenen Gespräch darüber mit meiner Führungskraft, sagte sie zu mir:
Chrissi, wir haben hier alles gut aufgefangen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es immer einfach war.
Verstehe bitte folgendes: Wir brauchen dich. Du bist wichtig. Aber du bist nicht unersetzlich. Und das ist gut so.
Etwas macht Klick.
Unser Gehirn liebt Extreme.
Unser Gehirn springt gerne zu Extremen, weil das einfacher ist.
Ganz oder gar nicht.
Alles oder nichts.
Leistung oder Pause.
Wenn wir merken, wir brauchen Erholung, denken wir schnell:
„Ich müsste mich eigentlich drei Tage im Bett verkriechen.“
Und weil das nicht geht, machen wir: nichts.
Dabei liegt die Lösung fast immer in der Mitte.
Für mich ist es ein kurzer Mittagsschlaf.
So unspektakulär.
So wirksam.
Ich lege mich für 20 Minuten hin. Höre mir eine Meditation an, die mich sofort beruhigt. Danach mache ich mir einen warmen Tee.
Und plötzlich habe ich wieder Energie.
Ganz ohne mich zu pushen.
Was uns nämlich am meisten Kraft raubt, ist nicht die Pause.
Sondern das schlechte Gewissen dabei.
Ein kleiner Meta-Blick auf Glaubenssätze
Ein Glaubenssatz ist kein Fakt.
Er ist eine Geschichte, die du dir schon so oft erzählt hast, dass sie sich wie Wahrheit anfühlt.
Der erste Schritt, um dieser vermeintliche Wahrheit etwas entgegen zu stellen, ist immer derselbe:
„Wo habe ich schon erlebt, dass das Gegenteil wahr war?“
Genau wie bei mir mit dem Projekt.
Denn dein Gehirn braucht Beweise.
Nicht nur neue Gedanken.
Meine Frage an dich:
Wo in deinem Leben hast du schon erlebt, dass du eine Pause gemacht hast – und nichts schlimmes passiert ist?
Schreib dir 10 Beispiele auf und schau mal, wie sich das anfühlt.
Fühlst du dich in deinem Team sicher genug, um eine Pause zu machen?
Ob wir Pausen machen, Nein sagen oder Aufgaben abgeben können, hängt selten nur von uns ab. Sondern auch davon, wie sicher wir uns in unserem Umfeld fühlen.
Damit Vertrauen, Verantwortung und echte Zusammenarbeit entstehen kann, braucht es psychologische Sicherheit.
Genau darüber hat meine gute Freundin Karin Lausch ein Buch geschrieben, das ich dir sehr ans Herz lege.
In „Feel Safe. Be Brave.“ zeigt sie, warum so viele Teams im Funktionsmodus feststecken – und wie wir Räume schaffen, in denen Menschen sich trauen, ehrlich zu sein, Fragen zu stellen und neue Wege einzubringen.
Das Buch erscheint am 03. Februar und bereits jetzt vorbestellen.
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Mini-Abstimmung
Dieser Newsletter ist mein Herzensprojekt. Mir ist es so wichtig, dir hier jeden Montag einen kleinen inneren Shift mit auf den Weg zu geben, dich zu bestärken und dir zu zeigen: Du bist nicht alleine.
Deswegen würde mich total interessieren:
| Kennst du den Glaubenssatz "Wenn ich eine Pause nehme, bricht alles zusammen."? |
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Soll ich in der nächsten Ausgabe einen weiteren Glaubenssatz unter die Lupe nehmen, der mir häufig begegnet?
| Interessieren dich weitere toxische Glaubenssätze und wie du sie ablegst? |
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Oder hast du ein anderes Thema, das dich besonders interessiert? Eine Frage, die dich beschäftigt, die du mir gern stellen würdest? Dann antworte mir gern auf diese Mail an me@christinemuench.com. Ich lese jede Antwort 💜
Monday Motivation
Denk dran, Reader, du bist nicht die Story, die dein Kopf dir über dich erzählt. Du kannst jeden Moment aus dem Autopiloten aussteigen und neu wählen.
Auf ein Leben, das sich so gut anfühlt wie es aussieht.
Deine Chrissi
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