Hallo Reader,
ich bin gerade bei meinen Eltern an der Nordsee und mache mit Atlas eine Woche Urlaub. Gestern saß ich den ganzen Tag im Schlafanzug bei uns auf der Terrasse und las das Buch 'Dienstags bei Morrie' von Mitch Albom. David Blum hat mir das vor einiger Zeit auf LinkedIn empfohlen und ich hatte es mir direkt zu meinen Eltern bestellt.
Das Buch handelt von Morrie, einem Professor, der schwer erkrankt ist, und seinem ehemaligen Studenten Mitch. Als der sehr ehrgeizige Mitch erfährt, dass Morrie bald sterben wird, beginnt er ihn jeden Dienstag zu besuchen und mit ihm über das Leben zu sprechen.
Zu verstehen, dass du sterben wirst
Eine Passage, die mich nicht mehr loslässt:
Wenn du lernst, wie man stirbt, dann lernst du, wie man lebt.
Morrie muss sich mit der Lektion des Sterbens auseinandersetzen. Denn er hat die Diagnose erhalten, dass ihm nur noch wenige Monate bleiben.
Er weiß, dass er bald Sterben wird.
Auch wir wissen, dass wir Sterben werden. Doch wir wissen nicht wann.
Und "irgendwann" ist ein Zeitfenster, groß genug, um es weit weg zu schieben. Um sich nicht damit auseinanderzusetzen.
Wir verstehen kognitiv, dass unsere Zeit begrenzt ist.
Aber verhalten wir uns auch so?
Kosten wir unsere Lebenszeit aus, oder lassen wir sie verstreichen? Fühlen wir die Gefühle, die uns lebendig machen, oder verdrängen wir sie? Treffen wir die mutigen, schweren, unangenehmen Entscheidungen, weil sie uns näher an das Leben heranbringen, das wir führen wollen - oder vermeiden wir sie und schieben sie auf später auf?
Wenn sich diese Fragen jetzt irgendwie schwer anfühlen, dann bist du mit diesem Gefühl nicht alleine.
Manchmal, vor allem wenn ich das Gefühl habe, dass mein Leben gerade irgendwie aus der Balance geraten ist, fällt es mir schwer, diesen Fragen ehrlich zu begegnen. Mir die Zeit dafür zu nehmen, zu reflektieren, innezuhalten und mir, meinen Wünschen, meinen Ideen wirklich zuzuhören.
Zu groß ist manchmal die Angst, dass Dinge hochkommen. Große Dinge. Dinge, von denen ich nicht weiß, wie ich sie in mein Leben kriege. Vorstellungen, die so weit weg wirken oder so kühn, dass ich sie mir lieber erst gar nicht erlaube.
Weil es irgendwo einen Teil in mir gibt, der Angst hat, dass es nicht hinkriege, mein Leben so zu verändern, dass es meinen größten Sehnsüchten entspricht.
Doch, Reader, was ist die Alternative?
Erinnere dich an deine Gestaltungskraft
Als Mitch und Morrie darüber sprechen, warum es so viele Menschen gibt, die unglücklich leben, antwortet Morrie:
Unsere Kultur, in der wir leben, ist nicht dafür geeignet, dass die Menschen sich mit sich selbst wohl fühlen. Und man muss stark genug sein, um zu sagen: Wenn die Kultur nicht funktioniert, dann pass dich ihr nicht an. Schaff dir deine eigene.
Diesen Gedanken finde ich wahnsinnig ermächtigend. Er weckt in mir fast etwas Rebellisches.
Denn ich finde es stimmt.
Die Kultur, in der wir leben, ist nicht dafür geeignet, dass wir uns mit uns selbst wohl fühlen.
Ständig wird uns aufgezeigt, dass uns noch etwas fehlt, dass wir nicht schnell genug sind, dass wir noch mehr schaffen müssen. Dass es darum geht im Leben, wie viel Erfolg, wie viel Status, wie viele Dinge wir haben.
Und während ich davon überzeugt bin, dass Wirksamkeit und Einfluss wichtige Bestandteile unseres Glückes sind, erkenne ich immer mehr, dass wir diese viel zu häufig an Orten suchen, die uns zwar Glück versprechen, aber nie abliefern.
Also wende ich mich lieber dem zweiten Teil des Gedankens von Morrie zu: Wenn die Kultur nicht funktioniert, dann pass dich ihr nicht an. Schaff dir deine eigene.
Ist das alles, was ich will?
Wir kosten das Leben nicht voll aus. Wir sind ständig im Halbschlaf und tun Dinge, von denen wir glauben, wir müßten sie tun. - Morrie
Um uns unsere Lebenskultur zu erschaffen, müssen wir innehalten.
Wir müssen uns den Fragen widmen, die uns oft zu groß vorkommen:
Ist das alles?
Ist das alles, was ich will?
Oder fehlt irgendetwas?
Tue ich alles, was ich tun möchte?
Bin ich der Mensch, der ich sein möchte?
Dabei geht's nicht darum, dir Stunden am Stück Zeit zu nehmen, um darüber zu meditieren - auch wenn das sicherlich eine schöne Übung wäre. Doch im ersten Schritt geht es vor allem darum, dein Herz zu öffnen, sodass Antworten zu dir kommen können.
Bei einem Spaziergang, ohne Podcast im Ohr. Beim im Bett liegen, vorm Einschlafen. Beim auf der Terrasse sitzen und in die Bäume blicken.
Vom Wunsch zur Realität
Mich beschäftigt seit langem der Wunsch nach Gemeinschaft. Das merke ich wieder, wenn ich im Garten sitze und lese. Während meine Mama und meine Schwester sich unterhalten. Und Atlas mit den Nachbarskindern im Sandkasten spielt.
Ich liebe alles daran. Das volle Haus. Das Leben um mich herum.
Unser Leben in Málaga ist ganz anders. Wir leben in einer Wohnung, wo es kaum Platz für Gäste gibt. Wir haben dort zwar die Großeltern, aber keine engen Freunde und auch der Rest der Familie lebt in anderen Ländern.
In meiner Vorstellung würde ich gerne in einem Haus mit Garten wohnen, am liebsten weiterhin direkt am Strand. Javis Bruder wäre unser Nachbar und wir würden uns regelmäßig mit den drei Cousinen treffen. Am liebsten wohnt meine beste Freundin auch in Málaga, wir sehen uns mindestens einmal die Woche und meine Schwester besucht uns dreimal im Jahr.
Wenn ich meine Traumvorstellung so richtig nah an mein Herz lasse, dann wird es manchmal ganz schwer. Einerseits ist die Sehnsucht so groß, andererseits sagt mir mein Verstand, dass es unmöglich ist.
Doch mein Verstand sagte mir auch einst, dass ich sicher nie direkt am Strand mit Palmen um mich herum leben werde, dass ich nicht das Zeug habe mein eigenes Business aufzubauen und dass ich unsportlich bin 🤷♀️
Statt mir also von meinem Verstand meine Träume ausreden zu lassen und mich mit dem Status Quo zufrieden zu geben, habe ich - dank meiner früheren Karriere im Startup Umfeld - gelernt mich zu fragen:
Wie könnte eine erste Version meiner Vorstellung aussehen? Was wäre ein erster möglicher Schritt in Richtung dieser Vision?
Diesmal kam die Idee von meinem Mann.
Als ich ihm von meinem Wunsch nach Community erzählte, schlug er vor, dass wir einen Aushang bei uns im Haus machen:
Wer hat Lust auf Fußball?
Wir spielen jeden Mittwoch von 18:00 - 19:00 vorm Haus.
Für Kinder und ihre Eltern im Alter von 5-10 Jahren.
Damit beginnen wir.
Dann organisiere ich direkt noch zwei Treffen mit Mum's aus Atlas' Schule, die ich nett finde. Weil neue Freundschaften einfach etwas Zeit brauchen.
Dann fallen mir direkt noch 10 weitere Ideen ein, wie ich das Gefühl von lieben Menschen um mich herum in meinem Leben erhöhen kann. Doch ich weiß auch, dass ich mich an der Stelle stoppen darf. Damit ich nicht in der Ideation-Phase stecken bleibe, sondern auch wirklich in die Umsetzung komme.
Und so wird aus meiner Sehnsucht etwas Handfestes, was ich in mein Leben holen kann.
Vielleicht klingt es etwas morbide, sich vom eigenen Tod inspirieren zu lassen, richtig zu leben. Doch wenn ich ehrlich bin, gibt es für mich keinen bessere Lehrer.
Deine Montagsinspiriation
Reader, wenn du also auch gerade so wie ich das Gefühl hast, dass in dir eine Sehnsucht wohnt, dann nimm dir einen Moment Zeit - jetzt oder später - und lasse diese Fragen in dein Herz:
Ist das alles?
Ist das alles, was ich will?
Oder fehlt irgendetwas?
Tue ich alles, was ich tun möchte?
Bin ich der Mensch, der ich sein möchte?
Eine Wahrheit, die ich erst Mitte Dreißig so richtig verstanden hatte, teilt Morrie auch mit Mitch:
Du brauchst jemanden, der dir hilft, deine eigenen Wünsche zu erforschen. Es passiert eben nicht automatisch.
Wenn du dir Unterstützung dabei wünschst, deine Wünsche zu erforschen, wäre es eine große Ehre, wenn du dich von meinen Worten inspirieren lässt. Und wenn du einen Schritt weiter gehen möchtest, dann vereinbare gerne ein Gespräch mit mir.
Ich stelle gerade bald die nächste Runde für We Love Mondays zusammen. Mein Programm, wo wir uns genau diesen großen Fragen des Lebens widmen und herausfinden, wie sich dein Leben anfühlen darf.
Wenn du magst antworte mir gern auf diese E-Mail und teile mir einen deiner Wünsche mit. Egal, wie groß, wie klein, wie kühn oder wie albern - ich lese jede E-Mail mit voller Freude.
Auf ein Leben, das sich so gut anfühlt wie es aussieht - und eine große Umarmung für dich!
Deine Chrissi
P.S.: Darf ich dich um einen Gefallen bitten?
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