Höre (nicht) auf deine Gefühle?!

Chrissi Münch 💜

Ausgabe 91 | 10. November 2025

Höre (nicht) auf deine Gefühle?!

Hallo Reader,

früher habe ich meine Gefühle ignoriert bis ich mich gar nicht mehr gespürt habe. Heute versuche ich bewusst wahrzunehmen, wie es mir geht und meine Gefühle als Hinweise zu verstehen.

Doch die Frage, die sich mir dabei stellt:

Wann ist es smart auf die eigenen Gefühle zu hören - und wann nicht?

Denn to be honest:

Wenn ich letzte Woche auf meine Gefühle gehört hätte, hätte ich die Session mit meinem Personal Trainer geskippt. Wäre einem klärenden Gespräch aus dem Weg gegangen. Hätte die Gute-Nacht-Geschichte verkürzt, weil ich 'noch etwas zu erledigen hatte'.

Auf der anderen Seite:

Wenn ich letzte Woche nicht auf meine Gefühle gehört hätte, hätte ich am Samstag früh diesen Newsletter geschrieben, statt mich mit meinem Roman auf's Sofa zu legen. Dafür hätte ich wahrscheinlich drei Stunden gebraucht, weil ich in dem Moment null kreativ war.

Ich hätte auch nicht meinen Mann nach einer anstrengenden Autofahrt um Hilfe gebeten, sondern unseren Sohn ins Bett gebracht, weil's eben mein Tag war. Danach wäre ich dann selbst direkt ins Bett gefallen anstatt noch einen schönen Abend zu zweit zu verbringen.

Wann ist es also 'richtig' auf die eigenen Gefühle zu hören? Wann dienen sie uns als Kompass und wann bringen sie uns vom Weg ab?

Die 2 Systeme: So trifft unser Inneres Entscheidungen

Wenn wir Entscheidungen treffen, laufen in uns zwei Prozesse ab – gleichzeitig:

→ ein Prozess ist schnell, impulsiv, emotional
→ der andere ist langsamer, reflektiert, werteorientiert

Um es einfach zu machen, nennen wir sie System 1 und System 2.

System 1 – Impuls & Gefühl

  • reagiert automatisch
  • will uns schützen
  • bewertet Situationen nach: „Gefahr oder sicher?“

Es basiert auf Emotion, Erfahrung, Mustererkennung.
Es will Risiko vermeiden und Energie sparen.

Sein Job ist nicht Wachstum.
Sein Job ist: kurzfristige Sicherheit.

System 2 – Bewusste Bewertung & Werte

  • ist langsamer und reflektiert
  • schaut auf langfristige Ziele
  • bezieht Identität, Werte und Vision ein

Das ist der Anteil in uns, der fragen kann:

  • Wer will ich sein?
  • Was ist mir wichtig?
  • Was dient mir langfristig?“

Er ist auf langfristige Erfüllung ausgerichtet.

Beide Systeme sind wichtig.

Ohne System 1 würden wir zu langsam auf Gefahr und Stress reagieren.
Ohne System 2 würden wir im Reflex steckenbleiben.

Doch:

Wenn wir ausschließlich nach Gefühl handeln, folgen wir fast immer System 1 – nicht unserem zukünftigen Selbst.

Weil unsere Gefühle zu 95 % auf der Vergangenheit basieren, sprich aus vergangenen Erfahrungen oder bestehenden Assoziationen - nicht darauf, was wir uns in der Zukunft wünschen.

Wann also auf's Gefühl hören – und wann nicht?

Auch wenn es im echten Leben nuancierter ist, orientiere ich mich an dieser Entscheidungshilfe.

1) Wenn es um Sicherheit geht → auf's Gefühl hören

→ bei Gefahr
→ körperlicher Überlastung
→ klaren Grenzen
→ Überforderung

Dann ist System 1 genau richtig. Dafür wurde es gebaut.

Doch genau hier liegt heutzutage die Herausforderung. Gerade als High Performerin dachte ich früher: "Wenn ich mich genug optimiere, dann bin ich immer in High Energy."

Sprich, wenn ich ausreichend meditiere, Sport mache, journale, brauche ich zwischendurch keine Pausen, sondern kann mich immer gut fühlen.

Das ist kurz gesagt Bullshit.

Verschiedene Tage sind unterschiedlich anstrengend. Wenn ich morgens schon drei Wutanfälle begleitet habe, macht das was mit meinem Energielevel. Außerdem sind wir Frauen zyklische Wesen und brauchen je nach Phase unterschiedlich viel Erholung oder können Vollgas geben.

Heutzutage ist System 1 also weniger dafür da uns auf Säbelzahntiger aufmerksam zu machen, sondern will uns darauf hinweisen, wenn es Zeit ist Grenzen zu setzen, auf unser Stresslevel oder ein Bedürfnis zu achten.

Dafür gilt es eine gewisse Sensibilität zu entwickeln und Selbstfürsorge als Kehrseite der Medaille von Performance zu sehen, statt als Schwäche.

Kurz gesagt:

System 1 schlägt an, wenn du eine Pause brauchst oder eine Grenze setzen darfst.

2) Wenn es um Wachstum, Verantwortung, Verbindung, Sichtbarkeit geht → nicht blind dem Gefühl folgen

Während uns System 1 gute Infos darüber liefert, wann wir eine Pause brauchen, ist es kein guter Ratgeber, wenn es darum geht, uns weiterzuentwickeln.

Warum?

Weil System 1 darauf programmiert ist,
→ Unbehagen zu vermeiden
→ Energie zu sparen
→ im Bekannten zu bleiben

Außerdem bewertet es 'neu' automatisch als potenzielle Bedrohung, selbst dann, wenn es objektiv kein Risiko gibt.

Das heißt:
Du musst nicht schon einmal eine Erfahrung gemacht haben, damit System 1 Alarm schlägt. Es reicht, wenn dein Gehirn mögliche Verletzlichkeit, Scham oder Ablehnung mit dieser Situation verknüpft.

Beispiel:
Du musst nicht schon einmal auf einer Bühne gestanden haben, um Angst vor Public Speaking zu spüren. Allein die Vorstellung, sich sichtbar zu machen, kann reichen, um System 1 zu aktivieren.

Nicht, weil du 'nicht bereit' bist (Hint: sind wir nie, wenn wir etwas noch nie gemacht haben - wie könnte es auch anders sein?!). Sondern weil dein System nicht weiß, ob du damit sicher bist.

Für System 1 ist unbekannt = gefährlich. Es will dich schützen, aber wenn du wachsen und etwas verändern willst, ist Schutz nicht hilfreich.

Deshalb fühlt sich Wachstum oft kontraintuitiv an. Weil es System 1 herausfordert.

Dafür brauchen wir also System 2. Denn hier können wir uns bewusst Entscheiden basierend auf unseren Werten, unserer Version, unserer Zielidentität.

Für langfristige Entwicklung ist nicht relevant, worauf du Lust hast, sondern, was dir wichtig ist.

System 2 trifft Entscheidungen, die auf Identität und Zukunft ausgerichtet sind. Es denkt nicht: „Fühlt sich das gerade leicht an?“ sondern: „Ist das der Schritt in die Richtung, in die ich mich entwickeln will?“

Wenn du also vor etwas Neuem spürst:

  • „Ich habe keine Lust“
  • „Das ist unangenehm“
  • „Was, wenn ich mich blamiere?“
  • „Was, wenn es nicht klappt?“

…dann ist das ein Signal für System 1. Es will dich schützen.

Doch:

  • Sicher heißt nicht erfüllt.
  • Sicher heißt nicht lebendig.
  • Sicher heißt nicht du.

Darum ist die Frage so wichtig:

Will mich dieses Gefühl wirklich schützen – oder hält es mich klein?

Denn wenn es um Wachstum, Veränderung und mutige Entscheidungen geht, führt System 1 dich meist nur im Kreis.

Hier darf System 2 die Führung übernehmen.

Mit einem klaren Kompass:
→ Wer will ich langfristig sein?
→ Was ist mir wirklich wichtig?
→ Welche Wahl unterstützt mein zukünftiges Selbst?

Fasst man es zusammen:

System 1 informiert.
System 2 entscheidet.

Der Innere Shift: Baue einen Raum ein zwischen Gefühl und Handlung

Statt uns blind auf unsere Gefühle zu verlassen:
„Ich fühle X → also handle ich X“

Oder diese komplett zu ignorieren:

"Ich habe ein Ziel X -> also mache ich X, egal wie ich mich fühle."

Bauen wir eine Brücke:
„Ich fühle X → ich verstehe es → und treffe eine bewusste Wahl.“

System 1 und System 2 wollen uns beide dienen - auf unterschiedliche Weise. Wenn wir verstehen, wann welches System dran ist, können wir bewusste Entscheidungen für unser Wachstum und für unser Wohlbefinden treffen.

Weil du dich nicht zwischen High Performance und Inner Peace entscheiden musst.

Du willst System 2 ausbauen?

Wenn du das Gefühl hast, dir fehlt dein Kompass, um Entscheidungen zu treffen, die dich zu der Version von dir führen, die du werden willst, dann bewirb dich jetzt bei We Love Mondays.

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Auf ein Leben, das sich so gut anfühlt, wie es aussieht.
Chrissi

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