Hallo Reader,
noch nie habe ich so viele Antworten auf einen Newsletter bekommen wie letzte Woche auf meinen People-Pleasing-Test 😳
So spannend, was ihr geteilt habt! Und während ich eure Nachrichten gelesen habe, sind mir ein paar Muster aufgefallen.
Eine Leserin schrieb mir:
„Mit stolzen 28 Punkten ist People Pleasing aktuell Teil meines Charakters.“
Bei diesem Satz dachte ich sofort:
Ich würde nur ein Wort austauschen.
Nicht Charakter.
Sondern Muster.
Denn Charakter klingt nach: So bin ich eben.
Ein Muster bedeutet: So habe ich gelernt zu reagieren.
People Pleasing ist eine Strategie, die wir meist in der Kindheit gelernt und in der Jugend verstärkt haben - und sich irgendwann wie ein Teil von uns anfühlt. Doch das stimmt nicht, es ist lediglich ein Muster, das uns Schutz verspricht.
Eine andere Leserin, die ein Team von elf Personen führt, schrieb über ihren Umgang mit ihrem Chef:
„Gerade bei meinem Chef merke ich, wie schwer es mir fällt, seine Enttäuschung oder Kritik auszuhalten.“
Und das ist ziemlich nachvollziehbar. Gerade bei Autoritätspersonen wollen wir häufig nicht nur gemocht, sondern auch als kompetent und wertvoll wahrgenommen werden. Kritik kann unseren People Pleaser deshalb besonders schnell aktivieren.
Bei einer anderen Leserin zeigt sich das Muster selbst an ihrem Geburtstag:
„Mein Mann fragt jedes Jahr sehr betont, was ICH mir für meinen Geburtstag wünsche. Und meine Gedanken fangen sofort an zu überlegen, was für alle anderen gut passen könnte.“
An einem Tag, an dem es ausdrücklich um uns gehen darf, richtet sich der Blick automatisch wieder nach außen: Was passt für alle anderen?
Und schließlich schrieb mir eine Leserin:
„Ich wusste teilweise gar nicht, was meine Bedürfnisse sind. So lange hatte ich mich schon nicht mehr gefragt, was ich möchte.“
Dieser Satz bringt für mich sehr viel auf den Punkt. Denn wenn du dich lange genug danach richtest, was andere brauchen, erwarten oder gut finden, kann irgendwann etwas viel Grundlegenderes passieren:
Du verlierst den Kontakt dazu, was eigentlich für dich stimmt.
Und genau hier liegt die Lüge hinter People Pleasing.
Die Lüge hinter People Pleasing
People Pleasing verspricht uns etwas unglaublich Verführerisches:
Wenn ich es den anderen recht mache, bleibe ich verbunden.
Wenn ich niemanden enttäusche, gehöre ich dazu.
Wenn ich unkompliziert bin, werde ich gemocht.
Wenn ich mich anpasse, bin ich sicher.
Und natürlich ist Zugehörigkeit wichtig.
Die Lüge beginnt dort, wo wir glauben, uns verändern zu müssen, um dazuzugehören.
Denn:
Reinpassen ist nicht dasselbe wie Dazugehören.
Reinpassen bedeutet:
Du zeigst die Version von dir, von der du glaubst, dass sie gut ankommt.
Du richtest dich danach, was erwartet wird.
Du vermeidest Reibung.
Du hältst deine Meinung zurück.
Du fühlst dich sicher, solange du nichts „Falsches“ sagst oder tust.
Dazugehören bedeutet etwas anderes:
Du zeigst dich.
Mit deinen Werten.
Deinen Bedürfnissen.
Deiner Meinung.
Deinen Ecken und Kanten.
Und du nimmst in Kauf, dass dich nicht jeder immer versteht oder gut findet.
Denn wenn Menschen dich nur kennen, während du lächelst, zustimmst, funktionierst und keine unbequemen Bedürfnisse äußerst, dann kennen sie vielleicht die Version von dir, die angenehm für sie ist.
Aber nicht unbedingt dich.
Und genau deshalb kann People Pleasing sogar die Verbindung verhindern, die wir uns eigentlich so sehr wünschen.
Es gibt noch einen zweiten Effekt, den ich bei euren Antworten sehr spannend fand:
Dein Umfeld gewöhnt sich an die Version von dir, die du zeigst.
Wenn du immer Ja sagst, geht dein Umfeld irgendwann davon aus, dass du Ja sagst.
Wenn du immer alles schaffst, fragt irgendwann niemand mehr, ob es dir gerade zu viel ist.
Wenn du deine Wünsche nie aussprichst, können andere nur raten, was du brauchst.
Und wenn du immer sagst „Alles gut“, obwohl gar nicht alles gut ist, können Menschen nicht wissen, dass du Unterstützung brauchst.
So prägen wir manchmal unbewusst die Erwartungshaltung unseres Umfelds – und ärgern uns später darüber, dass unsere Bedürfnisse nicht gesehen werden.
Das heißt nicht, dass das Verhalten anderer immer okay ist.
Es heißt auch nicht, dass dein Chef plötzlich vernünftige Erwartungen haben wird, nur weil du deine Grenze kommunizierst.
Aber es bedeutet:
Wir müssen den Menschen um uns herum zumindest die Chance geben, uns wirklich kennenzulernen.
Und genau das können wir üben.
Nicht indem wir ab morgen plötzlich rücksichtslos werden.
Nicht indem wir jedes ungefilterte Gefühl aussprechen.
Sondern indem wir uns ein kleines bisschen mehr zeigen, wie wir wirklich sind.
Mit unseren Bedürfnissen, unseren Meinungen und unseren Grenzen.
8 Sätze, mit denen du anfangen kannst
Viele von euch haben mir nach dem Quiz geschrieben, dass ihr inzwischen zwar merkt, dass ihr eine Grenze setzen möchtet – euch aber im konkreten Moment die Worte fehlen.
Deshalb habe ich dir heute acht Formulierungen mitgebracht.
Vielleicht brauchst du genau eine davon diese Woche:
1. „Ich habe gleich ein Anschlussmeeting und muss pünktlich raus.“
2. „Danke, dass du an mich denkst. Das passt aktuell nicht, da meine Priorität bei [Projekt/Thema] liegt.“
3. „Für mich passt es heute nicht – ich kann es aber bis Freitag erledigen. Wäre das hilfreich?“
4. „Danke für die Agenda. Ich kann da wenig Mehrwert liefern, macht das Meeting gern ohne mich.“
5. „Hier meine wichtigsten Punkte für das Meeting. Den Rest deckt X bei mir im Team ab.“
6. „Danke für die Einladung. Diesmal klappt es nicht, beim nächsten Mal bin ich gern dabei.“
7. „Ich möchte das übernehmen, aber habe weitere wichtige Themen. Lass uns gemeinsam neu priorisieren.“
8. „Lass mich bis morgen darüber nachdenken. Ich komme mit einer Antwort auf dich zu.“
Mein Experiment für dich
Such dir für die kommende Woche einen Satz aus.
Und benutze ihn einmal.
Nicht unbedingt gleich bei der Person, bei der es für dich am herausforderndsten ist.
Vielleicht bei einer Kollegin, einer Freundin oder bei deinem Partner.
Oder bei einer Anfrage, bei der dein Mund normalerweise automatisch „Ja“ sagt, bevor du überhaupt gespürt hast, was du möchtest.
Und beobachte danach nicht nur:
Wie hat die andere Person reagiert?
Sondern vor allem:
Wie hat es sich angefühlt, mich selbst ernst zu nehmen?
Vielleicht unangenehm, vielleicht befreiend. Wahrscheinlich ein bisschen von beidem. Und genau darum geht es.
Mit jeder Grenze zeigst du deinem System:
Ich kann jemanden enttäuschen und trotzdem verbunden bleiben.
Ich kann eine andere Meinung haben und trotzdem dazugehören.
Ich darf ein Bedürfnis haben, ohne schwierig zu sein.
Und jetzt bin ich neugierig:
In welcher Situation fällt dir das gerade am schwersten?
Gibt es vielleicht eine konkrete Situation, in der du eine Grenze setzen oder ein Bedürfnis aussprechen möchtest – aber nicht weißt, wie?
Dann antworte mir auf diese Mail.
Schreib mir, was passiert ist und was du eigentlich gern sagen würdest.
Und wenn du diese Woche einen der acht Sätze ausprobierst, schreib mir danach unbedingt, wie es gelaufen ist. Ich lese jede Antwort. 💜
Du möchtest diese Muster nicht nur verstehen, sondern nachhaltig verändern?
Seit letzter Woche ist die Anmeldung für die nächste We Love Mondays Kohorte offiziell ausschließlich für meine Newsletter-Abonnentinnen geöffnet.
In den acht Wochen geht es genau um diese Themen:
Dich selbst wieder wahrnehmen.
Deine Bedürfnisse ernst nehmen.
Grenzen setzen.
Klar kommunizieren.
Und deinen Selbstwert weniger davon abhängig machen, ob gerade alle anderen mit dir zufrieden sind.
Die nächste Kohorte startet am 13. Oktober.
Es gibt wie immer 12 Plätze – 4 davon sind bereits vergeben.
Wenn du spürst, dass du innerlich wirklich etwas verändern möchtest, lass uns im nächsten Schritt unverbindlich sprechen.
>> Ja, ich will mit dir sprechen, Chrissi
Und denk dran, liebe Reader:
Du musst nicht für alle angenehm sein, um dazuzugehören.
Du darfst dich zeigen.
Auf ein Leben, das sich so gut anfühlt, wie es aussieht
Deine Chrissi
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