Hallo Reader,
es gibt Momente, in denen wir genau wissen, was wir brauchen. Doch wir erlauben es uns nicht.
Marie kommt nach einem Spa-Wochenende mit ihren Freundinnen nach Hause. Zwei Tage keine Verantwortung. Richtig gute Gespräche. 24/7 gesundes Essen und Smoothies.
Als sie die Wohnung betritt, springen ihr die Kids entgegen.
"Mama, wir wollen mit dir auf den Spielplatz."
Die Freude zu Hause anzukommen, wird überschattet von dem inneren Druck, der in ihr aufsteigt. Alles zieht sich zusammen.
Denn wenn sie ehrlich wäre, will sie gerade einfach nur alleine sein. Erstmal ankommen. Noch nichts müssen.
Doch statt sich dieses Bedürfnis zu erfüllen, lächelt sie, macht sich schnell was zu essen und geht mit.
Wenn unser schlechtes Gewissen für uns entscheidet
In dem Moment hatte Marie nicht das Gefühl, dass sie wirklich eine Wahl hat. Denn in ihr gibt es diese innere Stimme:
- "Was bin ich für eine Mutter, wenn ich jetzt schon wieder Zeit für mich brauche?"
- "Warum freue ich mich nicht einfach auf die Zeit mit den Kids?"
- "Was stimmt bloß nicht mit mir?"
Vielleicht kennst du es auch.
Du weißt eigentlich, was du gerade brauchen würdest.
Doch erlaubst es dir nicht.
Ich sehe diese Dynamik so häufig - gerade bei ambitionierten Frauen, mit viel Verantwortung, hohen Ansprüchen und verschiedenen Rollen.
Du bist erfolgreich. Verlässlich für andere.
Und gleichzeitig brutal zu dir selbst.
Deine innere Kritikerin trifft deine Entscheidungen für dich. Nicht aus einer Freude oder einer Überzeugung heraus. Sondern aus einem schlechtem Gewissen.
Und dann wunderst du dich, warum du so erschöpft bist.
Warum du gereizt reagierst.
Warum dein Nervensystem irgendwann so durchlässig ist.
Also fragst du dich, was du falsch machst.
Wie du stabiler werden kannst.
Wie es 'die anderen' (in ihren kuratierten Lebensausschnitten auf Social Media) hinkriegen?
Die Lüge des perfekt regulierten Lebens
Denn irgendwo in dir trägst du eine Vorstellung davon, wie ein 'guter Tag' aussehen sollte.
Von 8 bis 16 Uhr bist du produktiv, klar, fokussiert. Du triffst Entscheidungen. Bist präsent und treibst deine Projekte voran.
Danach gehts über ins Privatleben. Dort bist du völlig entspannt, geduldig, liebevoll. Als hätte dein Nervensystem nicht bereits den ganzen Tag gearbeitet.
Als wärst du keine fühlende Person mit einem Energiespeicher, der sich über den Tag leert, sondern ein perfekt reguliertes System.
Nicht weil du dir deine Bedürfnisse erfüllst, sondern weil du dich optimierst.
Deine Hormone.
Deine Mikro- und Makronährstoffe.
Deinen Schlaf.
Deine Steps.
Alles wird gezählt, getrackt und analysiert.
All das kann dir dienen.
Doch in vielen Fällen geht es weniger darum, dass es dir wirklich besser geht, sondern viel mehr um die Frage, was du besser machen kannst, ...
... um noch mehr zu tragen,
... noch mehr zu halten
...noch weniger zu brauchen.
Die offensichtliche Frage, die wir uns nicht zugestehen
Irgendwann in unserer Gesellschaft, die Leistung über alles stellt, haben wir damit begonnen uns schlechter zu behandeln als unser eigenes Smartphone.
Statt uns zu fragen:
Nehme ich mir überhaupt irgendwann Raum, um meine Energie wieder aufzutanken?
Stellen wir die toxische Erwartungshaltung an uns selbst, dass unser Akku den ganzen Tag bei 100% bleibt.
Denn Hand auf's Herz Reader, wieviel Energie hast du noch nach deinem Berufsalltag? 50%? 40%? 30%?
Und trotzdem erwartest du von dir, dass du danach 100% präsent bist für deine Kinder. Tiefe Gespräche mit deinem Partner führst. Mit Leichtigkeit den Haushalt schmeißt.
Während dein System eigentlich längst im roten Bereich ist.
Das Problem ist nicht, dass dein Nervensystem zu schwach ist.
Das Problem ist, dass du zu viel hältst - ohne dir zwischendurch die Erlaubnis zu geben, dich gut um dich selbst zu kümmern.
Und das liegt hauptsächlich nicht an dem ZU VIEL in deinem Kalender. Sondern an dem, was NICHT in deinem Kalender stattfindet. Und vor allem, welche Story du dir dazu erzählst:
Du glaubst, du könntest all das leisten, halten, tragen.
Ohne Raum für dich zu brauchen.
Und wenn du ihn brauchst - oder mal anders oder mehr als du dir eingestehst - dann schlussfolgerst du, dass etwas nicht mit dir stimmt.
Was dir dein schlechtes Gewissen wirklich sagen sollte
Die Schuldgefühle, über die wir heute sprechen, sind selten ein Zeichen dafür, dass du etwas falsch machst.
Sondern viel mehr ein Zeichen dafür, dass du dich an einen inneren Standard hältst, der nie für einen Menschen gemacht war.
Sondern für eine Rolle. Ein Ideal. Eine Fantasie-Version von dir.
Und unter diesem schlechten Gewissen liegt fast immer Angst.
Die Angst, nicht gut genug zu sein. Die Angst, egoistisch zu wirken. Die Angst, den Erwartungen nicht zu entsprechen.
Also gehst du über dich hinweg.
Und nennst es Liebe. Oder Verantwortung.
Der Perspektivwechsel, den du dir selbst nicht gibst
Wenn deine beste Freundin dir genau diese Geschichte erzählen würde – Spa-Wochenende, nach Hause kommen, völlig leer, Kinder wollen etwas von ihr - würdest du sagen:
„Reiß dich zusammen. Sei dankbarer. Funktionier besser.“?
Oder würdest du sagen:
„Kein Wunder, dass du gerade Raum brauchst.“
„Das macht dich nicht zu einer schlechten Mutter.“
„Das macht dich zu einem Menschen.“
Genau diese Perspektive fehlt uns selbst.
Weil wir für uns einen anderen Maßstab haben.
Härter. Unerbittlicher. Unmenschlicher.
3 Hebel, die wirklich etwas verändern
1- Erlaubnis ist kein Gefühl. Es ist eine Entscheidung.
Du wirst dich nicht plötzlich „bereit“ fühlen, dir Raum zu nehmen. Du entscheidest ihn dir zu nehmen – auch wenn du zunächst noch ein schlechtes Gewissen hast.
Mir ging es früher ganz genauso wie Marie. Mittlerweile erlaube ich mir, mir nach Reisen den restlichen Nachmittag für mich zu nehmen. Mein Mann weiß Bescheid. Es ist für alle ok. Beim ersten Mal hatte ich trotzdem ein schlechtes Gewissen. Das ist heute nur deswegen anders, weil ich mir irgendwann erlaubt habe, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen.
2- Hinter deiner härtesten Stimme steckt Schutz. Keine Wahrheit.
Die Stimme deiner inneren Kritikerin kann ganz schön laut sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie wahr ist.
Statt ihr blind zu folgen, frag dich: Wovor versucht sie mich gerade zu schützen? Ablehnung? Kritik? Kontrollverlust? Und stimmt das wirklich? Meistens erzählt sie uns eine alte Geschichte aus der Vergangenheit. So lange, bis wir selbst aktiv werden, und bestimmen, welche Story wir uns heute erzählen.
3- Trainiere deinen Außenblick.
Das Rauszoomen aus der Situation ist ein echter Game Changer und etwas, was wir konstant üben dürfen.
Frag dich beim nächsten Mal:
Was wäre eine faire, liebevolle Bewertung dieser Situation – wenn ich nicht Ich wäre? Was würde ich meiner besten Freundin sagen?
Wenn ich dir heute eins mitgeben möchte, Reader, ist es, dass du dir erlauben darfst, ein Mensch zu sein. Mit Bedürfnissen. Mit Energie, die nachgeladen werden darf. Mit Pausen. Ganz ohne Produktivität oder Perfektion.
Denn genau dann, wirst du nicht mehr aus schlechtem Gewissen entscheiden, sondern zurückkehren zu deiner Freude.
Auf ein Leben, das sich so gut anfühlt wie es aussieht.
Chrissi 💜
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